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20.04.05 Ein Festtag für Calpulli
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Die BeetleFan Spendenaktion - "Eine Chance für die Strassenkinder von Puebla"
20.04.05 Ein Festtag für Calpulli
Mexiko: »Eine Stunde für die Zukunft« hilft Indio-Gemeinde in Puebla



Ein Festtag für Calpulli

Ein Grund zum Feiern in Calpulli: Nach über einjähriger Bauphase wurde im Sommer 2003 der lang ersehnte Veranstaltungssaal eröffnet. »Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Endlich können wir den Jugendlichen ein attraktiveres Angebot als bisher bieten. Ob Nachhilfe oder Theater-Workshops, der Saal ist für alle unsere Kurse geeignet,« freute sich Patricia Palma, die Leiterin von Calpulli. Das Projekt liegt in der Gemeinde Tlaxcalancingo in der Nähe von Puebla. Patricia widmet sich hier der Arbeit mit Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Viele dieser Kinder würden ohne Betreuung auf der Straße landen. Patricia will sie mit ihrer Projektarbeit davor schützen. Bisher fehlten geeignete Räume, um alle gefährdeten Kinder und Jugendliche am Projekt teilnehmen zu lassen. Diesen Missstand wollte der Volkswagen-Konzernbetriebsrat beheben: Aus Mitteln der Initiative »Eine Stunde für die Zukunft« wurde daher ein Zuschuss für den Bau des neuen Veranstaltungssaales bewilligt.


Traditionelle Strukturen zerfallen

Tlaxcalancingo ist eine von der Landwirtschaft geprägte Indio-Gemeinde. Doch seit das Stadtgebiet Pueblas immer näher rückt, zerfallen die traditionellen dörflichen Strukturen zusehends. In der indianischen Kultur fungiert die Dorfgemeinschaft als soziales Netz: es ist selbstverständlich, dass auch die Ärmsten mit allen lebensnotwendigen Gütern versorgt werden. Lösen sich diese Strukturen auf, kann im schlimmsten Fall eine Verelendung einsetzen wie in den Slums der Vorstädte. Kinder aus ärmeren Familien werden zu Straßenkindern.

Patricia Palma ist Psychologin. Sie hat früher mit Straßenkindern gearbeitet, versucht, sie von der Straße zu holen. »Doch mir fehlte der präventive Aspekt. Für mich wurde immer mehr zur entscheidenden Frage: Wie lässt es sich verhindern, dass die Kinder überhaupt auf die Straße kommen?« Für Patricia war die Antwort klar: »Hier auf den Dörfern müssen die Menschen ihre kulturelle Identität bewahren. Wenn sie sich gemeinsame traditionelle Werte ins Gedächtnis rufen,« erklärt sie, »bildet sich ein Gemeinschaftsgefühl heraus. So lassen sich negative Entwicklungen vielleicht nicht aufhalten, aber zumindest abschwächen.«


Nachhilfe und Theaterworkshops

Mit dieser Idee rief Patricia vor 10 Jahren Calpulli ins Leben. Das Gelände inmitten der Gemeinde hatte sie geerbt. Sie fing an, Nachhilfe für Schüler anzubieten; später kamen Kurse für indianische Tänze und Sprache sowie psychologische Betreuung dazu. Seit einem Jahr gibt es einen Kuhstall. Hier sollen die Kinder im Umgang mit den Tieren ihre Berührungsängste gegenüber der Landwirtschaft verlieren. Außerdem können die Einnahmen aus der Milchwirtschaft in das Projekt fließen. Auch die Computerkurse sind sehr begehrt. In einem Raum stehen, in Plastikhüllen eingepackt, ein paar ältere Rechner, ein Geschenk der Universität. „Für uns ist es nicht wichtig,“ sagt Patricia, „ob sie auf dem neuesten Stand der Technik sind. Die Kinder sollen hier mit Dingen Erfahrungen machen, wozu sie sonst keine Möglichkeit haben.“ Die Kinder seien von sich aus sehr daran interessiert, viele verschiedene Kurse zu besuchen. Doch die meisten Eltern schicken ihre Kinder nur wegen der Nachhilfe nach Calpulli. „Sie sind oft der Meinung, dass die anderen Angebote Zeitverschwendung sind,“ so Patricia weiter. „Doch wenn wir mit den Eltern sprechen, zeigen sie sich meistens einsichtig.“


Ein Netzwerk von Helfern

Jetzt ist Ferienzeit, es finden keine Kurse statt. »Normalerweise ist es hier nachmittags immer voller Kinder. Aber unsere Kurse fangen erst an, wenn die Schule wieder losgeht.“ Zu Beginn jedes Schuljahres geht Patricia in die Schulen, verteilt Handzettel und spricht die Schüler an. Inzwischen kennen die Schulleiter und Lehrer in der Gemeinde Patricia und ihre Arbeit und unterstützen sie, wo sie können. Trotzdem wäre es allein schon lange nicht mehr zu schaffen. „Wir sind froh, dass wir zahlreiche Unterstützer haben.“ Calpulli hat sich ein richtiges Netzwerk von Helfern aufgebaut. »Vor allem die Studenten der Universität von Puebla engagieren sich sehr stark. Wir können uns nicht beklagen.“
Tlaxcalancingo ist von den negativen Entwicklungen in der Region bisher verschont geblieben. Anzeichen von Slumbildung sind – anders als in anderen Gemeinden um Puebla – nicht zu sehen. Zufall? Vielleicht – ein Vergleich ist schwierig, weil jede Gemeinde sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringt. Sicher ist jedoch, dass Patricia mit ihrer Arbeit zumindest einen kleinen Teil dazu beigetragen hat.
Athanasios Melissis





 


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