Beitragvon rote Zora » Dienstag 10. Februar 2004, 11:26
Der VW-Konzern lobte ihn vor seiner Markteinführung über den Klee und auch die gute Presse spielte mit. Der VW Golf V sollte neues Wolfsburger Aushängeschild werden. Doch eine Serie von Fehleinschätzungen und Pannen hat den Hoffnungsträger zum Problemfall werden lassen.
Mit viel Vorschusslorbeeren war er angetreten - der neue VW Golf V. Das für 15 Prozent des Konzernabsatzes stehende Modell sollte höhere Gewinnmargen als der Vorgänger erbringen und deutlich mehr als die vorgegebene achtprozentige Kapitalrendite einfahren. Auch der Marktanteil der Marke VW sollte kräftig erhöht werden. Die Beurteilungen in der Motorpresse waren durchweg positiv, Wolfsburg wurde wochenlang in "Golfsburg" umbenannt. Die VW-Aktie stieg in den Wochen der zahlreichen Modell-Präsentationen von unter 36 Euro auf über 46 Euro.
Produktionsziel 2003 nicht erreicht
Die Euphorie ist inzwischen verflogen. Mittlerweile ist aus dem Hoffnungsträger ein Problem geworden. Denn seit September mehren sich die Stimmen, die den Golf kritisch sehen. Zunächst wurden zwar noch im Plan liegende Absatzzahlen vermeldet. Auch Sonderschichten für die Produktion des meistverkauften VW-Pkw lasen sich gut. Doch die schlechten Nachrichten nahmen zu. Produktionsprobleme durch neue Laserschweißverfahren, Konkurrenz durch den deutlich preisgünstigeren Opel Astra, eine nicht anspringen wollende Automobilkonjunktur. Schließlich kündigte VW-Chef Bernd Pischetsrieder überraschend an, dass das Produktions- und damit das Absatzziel von 135 000 Einheiten 2003 nicht erreicht wird.
Die Preiserhöhung für die VW-Modelle um 1,6 Prozent zum Jahresende durfte der Golf zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr mitmachen. Der jüngste Schritt, dem Kunden zum "30jährigen Jubiläum" des Golf kostenlos eine Klimaanlage mit in sein Neufahrzeug einzubauen, war dann aber recht durchsichtig. Auf 200 Millionen bis 400 Millionen Euro Umsatzausfall - wohlgemerkt nicht Ertragsminderung - im laufenden Jahr wird die Maßnahme unter Experten beziffert.
VW zu ehrgeizig
Die Krone setzte dem Ganzen nun der Schritt des Versandhauses Quelle auf: Nicht einmal die Fürther wollen nun den Golf mehr offerieren, grad mal 30 Fahrzeuge sollen bestellt worden sein. Dabei wurde der Golf zur Markteinführung mit einem 10-prozentigen Preisnachlass beworben. Der Nachhall in den Medien war riesig.
Dies alles zeigt: VW hat offensichtlich, wie auch andere Hersteller, darauf gesetzt, dass die Konjunktur endlich anspringt oder wenigstens der Golf für eine Sonderkonjunktur sorgt. Beides ist nicht eingetreten. VW musste einsehen, dass die Preisgestaltung für den Golf zu ehrgeizig war - und möglicherweise immer noch ist. Die Gratis-Klimaanlage wird von einigen von vwd befragten Experten noch nicht als letzter Schritt in der Preispolitik gesehen.
Ganz entscheidend wird es für den Golf auf jeden Fall sein, wie viele Käufer sich jetzt für den Wagen entscheiden - oder mit dem Kauf abwarten in der Hoffnung, vielleicht doch noch ein Stückchen günstiger an einen Neuwagen zu kommen. Klar ist aber auch, dass der Finanzmarkt derzeit augenscheinlich nur das Thema Golf spielt. Der Aktienkurs könnte also von positiven Nachrichten über den Golf wieder deutlich beflügelt werden - ebenso wie er bei negativen Nachrichten weiter fallen dürfte.
Quelle: rp-online
Ein runder Gruß
Sylvia
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