VW prüft rechtliche Schritte gegen Versandhaus Quelle
Der Automobilkonzern Volkswagen wird den Vertrieb des neuen VW Golf V durch das Versandhaus Quelle juristisch prüfen und schließt rechtliche Schritte nicht aus. Der VW-Händlerverband wittert unseriöse Geschäftspraktiken hinter der Online-Offerte.
"Wir werden prüfen, ob Rechtsverstöße vorliegen", sagte VW-Sprecher Dirk Große-Leege am Montag. Eine zentrale Frage sei, wer bei einem solchen Geschäft Verkäufer sei. Quelle biete zwar seit Montag im Internet den VW Golf V an, aber die Geschäftsbedingungen für einen solchen Verkauf seien bislang nicht abrufbar, sagte Große-Leege. Das zum KarstadtQuelle-Konzern gehörende Versandhaus bietet seit Montag im Internet den Mitte Oktober in den Handel kommenden VW Golf V in zwei Varianten mit einem Rabatt von zehn Prozent an.
"Wenn Quelle lediglich als Vermittler für den Neuwagenkauf auftritt, könnte das rechtlich möglicherweise in Ordnung sein", sagte Große-Leege. Anders sehe es aus, wenn das Versandhaus wie ein Autohändler als Verkäufer auftrete. Dann läge dem ein Verstoß eines VW-Händlers zu Grunde. "Denn unsere Händler dürfen europaweit nicht an nicht-autorisierte Zwischenhändler verkaufen", sagte Große-Leege.
Dies könne dann bedeuten, dass Quelle die Autos nur unter Inkaufnahme von Rechtsverstößen erworben habe, was ebenfalls nicht zulässig wäre. "Wir warten ab und prüfen das sehr genau", sagte Große-Leege. Gleichwohl bleibe Volkswagen bei der Einschätzung, dass es sich bei der Quelle-Aktion in erster Linie um eine PR-Maßnahme handele. "Quelle will nur ein bisschen auf der Erfolgswelle des Golf V mitschwimmen", sagte Große-Leege.
Händlerverband kritisiert Quelle als "unseriös"
Der VW-Händlerverband warf dem Versandhaus unseriöse Geschäftspraktiken vor und zweifelt die Erfolgsaussichten der Aktion an. Zudem will auch der Verband nach Angaben vom Montag rechtliche Schritte prüfen. "Der von Quelle eingesetzte Vermittler Carplus in Bayreuth ist kein autorisierter VW-Händler, sondern lediglich ein weiterer Vermittler", sagte Verbandsgeschäftsführer Michael Lamlé der Nachrichtenagentur Reuters.
Wer das seit diesen Montag im Internet bei Quelle präsentierte Kaufangebot wahrnehmen wolle, lande sofort bei Carplus, könne dann zunächst aber gar keine Einzelheiten über die Bestellung, Gewährleistung und Service erfahren. "Das nenne ich absolut unseriös", sagte Lamlé.
Verbandspräsident Eckard Meyer kündigte im Gespräch mit Reuters rechtliche Prüfungen an, ob Quelle und Carplus die EU-Richtlinien einhalten würden. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie Quelle mit Neuwagen handeln will, ohne gegen das geltende EU-Recht zu verstoßen", sagte Meyer. Das europäische Recht lasse den Autohandel außerhalb autorisierter Händler nur unter strengen Regeln zu, wenn ein Kunde einen so genannten Vermittler mit dem Kauf eines Neuwagens beauftrage. Den Status eines solchen "EU-Vermittlers" könne Quelle bei seinen Plänen, in großem Stil den VW Golf zu vermarkten kaum für sich in Anspruch nehmen. "Notfalls muss dies dann vor Gericht geklärt werden."
Große Unruhe unter VW- und Audi-Händlern
Meyer sprach von einer großen Unruhe unter den rund 2000 VW- und Audi-Händlern.
Ein Nachlass von zehn Prozent sei einem normalen Händler nicht mehr möglich, nachdem VW gerade die Händlermarge pro Fahrzeug reduziert habe. Wenn ein Händler an Quelle mit diesem Nachlass Autos verkaufe, dann könne er eigentlich nur noch auf den zusätzlichen Bonus für eine hohe Stückzahl kalkulieren.
Allerdings bleibe bei zehn Prozent Rabatt an den Kunden für Quelle, Carplus und Händler kaum noch etwas übrig. "Das wäre ein Grenzkostengeschäft", sagte Meyer. Für einen VW-Händler bedeute der Verkauf an Quelle oder einen Zwischenhändler Carplus ein hohes Risiko. "Ein VW-Händler, der an einen nicht autorisierten VW-Händler Neuwagen verkauft, ist seinen Vertrag mit VW sofort los", sagte Meyer.
Quelle: finacial times