Europas größter Autokonzern will angesichts hoher Überkapazitäten seinen Stellabbau forcieren.
Um dabei Kündigungen zu vermeiden, sollten Instrumente wie Vorruhestand und Abfindungen eingesetzt werden, sagte Volkswagen-Konzernchef Bernd Pischetsrieder am Montag einer Mitteilung zufolge auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Den geplanten Stellenabbau bezifferte er nicht. Mit einer Entscheidung für den Bau des geplanten Golf-Geländewagen „Marrakesch“ in Wolfsburg könnten rund 1000 Arbeitsplätze gesichert werden. Dies ändere aber nichts daran, dass VW in seinen deutschen Werken einen Personalüberhang von mehreren Tausend Beschäftigten habe, sagte Pischetsrieder.
Markenchef Wolfgang Bernhard hatte in der vergangenen Woche damit gedroht, den Geländewagen im kostengünstigeren VW-Werk in Portugal bauen zu lassen, falls die Belegschaft in Wolfsburg zu keinen Lohnzugeständnissen bereit sei.
Vorstand sieht sich auf Kurs
Pischetsrieder bekräftigte die Prognose, dass sowohl der operative Gewinn nach Sondereinflüssen als auch das Vorsteuerergebnis 2005 besser ausfallen sollen als im Vorjahr. Die Volkswagen-Aktie legte nach Ankündigung des Personalabbaus fast zwei Prozent auf zu.
Zum Stellenabbau nutze Volkswagen die im Tarifvertrag vereinbarten Instrumente für vorzeitigtes Ausscheidung durch Altersteilzeit, sagte Pischetsrieder vor der Belegschaft des Wolfsburger Stammwerks. Vorgesehen sei eine Ausdehnung auf den Jahrgang 1951, bei Bedarf auch auf den Jahrgang 1952. Darüber hinaus sollten Mitarbeitern Aufhebungsverträge angeboten werden. Pischetsrieder betonte, dass auch Führungskräfte von dem Personalabbau betroffen seien.
„VW soll Brüsseler Werk schließen“
Um seine aktuellen Probleme zu lösen, sollte der VW-Konzern nach Ansicht des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer sein Werk in Brüssel schließen und die Arbeitskosten senken. In einer Analyse kommt Dudenhöffer zu dem Schluss, dass die Aufgabe des Standortes Brüssel wesentlich zum Abbau von Überkapazitäten beitragen würde.
Zudem müssten die Arbeitskosten in den westdeutschen VW-Werken verringert werden, um neue Fahrzeuge wie den Golf-Geländewagen Marrakesch in Wolfsburg wettbewerbsfähig zu produzieren. Dudenhöffer errechnet für die Marke VW eine Überkapazität von einer Million Fahrzeugen pro Jahr.
Quelle: focus